Es war überall im Februar. Das Feuerpferd. Das Zeichen für das Jahr 2026. Vorwärtsgehen, Courage, Action, Momentum, Destiny. Viele sprachen das gleiche Vokabular.
Ich habe das beobachtet und mich gefragt: Was macht das mit mir? Was macht das mit uns? Ist diese Energie des Feuerpferdes nun losgaloppiert und eingetroffen, oder noch nicht? Oder ist es dem Pferd aktuell auch etwas zu heiss und es kühlt sich unter einem Baum im Schatten. Haben wir wieder Hoffnung daran geknüpft und uns selbst beruhigt?
Bei jedem Vollmond erkenne ich dasselbe. Wenn ich lese, was nun alles passiert, losgelassen und transformiert wird … das ist ein Vollzeitjob. Ich mag den Mond sehr, bin von seiner Schönheit immer wieder fasziniert.
Und ja: Ich spüre die Energie des Vollmondes ebenfalls sehr. Zwei, drei Tage schlafe ich nicht mehr durchgehend gut. Das ist für mich real.
Interessant dazu: Eine Studie des Max-Planck-Instituts untersuchte über 1265 Personen über 2100 Nächte hinweg. Das Ergebnis war eindeutig: kein messbarer Zusammenhang zwischen Vollmond und Schlafqualität.
Zu jeder These findet sich eine Gegenthese. Und was machen wir damit? Ich für meinen Teil halte mich immer mehr an die eigene Wahrnehmung. Zumindest versuche ich es. Möglichst losgelöst von dem, was gerade Thema und Trend ist. Ich frage mich: spüre ich das wirklich, oder halte ich mich an Erklärungen, unter denen es mich beruhigt?
Das ist die eigentliche Frage.
Nicht ob der Mond wirkt. Eher: Was nehme ich wahr, wenn ich selbst hineinspüre?
Dabei erkenne ich auch: Eine bestehende Copy-Paste-Welle. Ein Thema kommt rein, wird kopiert und ins Aussen getragen. Eine mögliche Unruhe bekommt einen Namen. Sofort macht es Sinn. Das Nervensystem beruhigt sich. Wir sind nicht mehr verwirrt, wir sind informiert. Das fühlt sich gut an. Unsicherheit mag unser System nicht.
Lass uns doch beim nächsten Vollmond es umgekehrt machen. Wir spüren zuerst rein und beschreiben, was wir wirklich fühlen. Danach lesen wir, ob sich das, was wir selber gespürt haben, mit dem Beschriebenen deckt. Als Spiegel, nicht als Antwort.
Eine Frage drängt sich auf.
Sitzt hier etwas Tieferes? Suchen wir wieder im Aussen, um das zu finden, das innen ist?
Was wenn die Antwort nicht im weiteren Suchen liegt? Was wenn es eher darum geht, das zu würdigen, das wir schon sind? Nicht hinzufügen, nicht suchen. Weglassen und aufhören zu suchen. Weniger Signale im Aussen achten, bezw. mehr die eigenen Signale wahrnehmen.
Vielleicht brauchen wir ein Thema, um zu galoppieren. Oder vielleicht war das Feuerpferd die Ablenkung von einer stilleren Frage: Was wollte ich von Anfang an? Lass uns unsere eigenen Feuerpferde definieren und kommen selber wieder viel mehr ins Tun. Zurück in den eigenen Körper. Zurück zu der Sicherheit, dass alles schon da ist und wir nichts hinzufügen müssen.
Spür mal hin.
Was sagt dein Verstand, dein Ego, dein Nervensystem und welche Zeichen und Informationen sendet dir dein Körper, deine Intuition und innere Stimme?
Das ist nicht einfach. Es bedeutet, die externe Lärmquelle auszuschalten und in deine eigene Klarheit zu gehen. In deine eigenen Wahrnehmungen. Das ist manchmal unbequem. Viel unbequemer als ein neues Label zu adoptieren.
Aber genau da sitzt die Kraft.
Nicht im Feuerpferd. Nicht im nächsten Vollmond. Nicht im nächsten Trend. Sondern in dir selbst. In deiner Fähigkeit, zwischen den Lärm zu hören. Zwischen den Erklärungen deine eigene Stimme zu erkennen.
Das nennt sich Selbstverantwortlichkeit. Das nennt sich die Kunst, bei sich zu bleiben. Und ja, zu diesen Themen habe ich in meinem Buch auch geschrieben, falls dich das tiefer interessiert.
Herzliche Inspiration,
Myron

