Es gibt da eine Beobachtung und eine Frage, die ich in den Raum stelle.
Wenn jemand in spirituelle Praktiken eintaucht, Zeichen interpretiert, Manifestationen spricht, Sessions besucht, weitere Kurse absolviert und Schwingungen hebt, dann passiert etwas Unmittelbares: Das Nervensystem beruhigt sich. Das ist nachweisbar. Positive Erwartungen setzen körpereigene Stoffe frei, der Körper entspannt sich. Es funktioniert.
Aber hier beginnt etwas Interessantes: Wird diese Beruhigung ein bisschen zur Antwort? Eine Antwort, die zum Teil im Aussen abgenommen wird? Verändert sich wirklich nachhaltig etwas an der eigenen Situation? Sind wir bewusster, erkennen viel, aber der Ursprung bleibt? Sind wir mit uns wirklich ehrlich genug?
Denn die Sache, das Thema, um das es ursprünglich geht, löst sich meistens nicht so schnell auf. Es bleibt, wie es war. Mit der einzigen Veränderung, dass man sich besser damit fühlt. Wir sind etwas beruhigt. Zumindest eine Zeit lang.
Das ist der Punkt.
Wenn alles positiv gedeutet wird, wenn jedes Ereignis eine Lektion ist, gibt es plötzlich kein Szenario mehr, das falsch wäre. Alles passt, alles ist erklärbar. Das nennt sich “toxic positivity”. Jedes negative Gefühl wird durch etwas Positives überlagert. Nicht, weil es echt ist. Sondern weil es sich besser anfühlt. In der Spiritualität nennt man das auch “spiritual bypassing”, wenn Praktiken nutzen, um sich nicht mit schwierigen Gefühlen oder Veränderung auseinanderzusetzen.
Klar, man fühlt sich besser. Aber wir wissen alle: Die Beruhigung ist nicht die Lösung. Was wenn man gelernt hat, so mit Schmerz zu leben, dass man vergessen hat, dass der Schmerz veränderbar wäre? Haben wir dann nicht einfach das falsche akzeptiert?
Dann der Loop.
Nach der Beruhigung kommt wieder die Frage. Was noch? Das Suchen beginnt erneut. Deuten, beruhigen, fragen, suchen. Ein Muster, das sich wiederholt. Bis man aufhört, weil man nicht mehr mag.
Aber was wenn dieser Loop nicht das Problem ist, sondern genau das, was gerade gelernt wird? Nie vollständig zu sein. Es geht immer weiter.
Die ursprüngliche Frage könnte ganz anders lauten:
Was wollte ich ursprünglich durchleben, erfahren und lernen? Welche Aufgaben habe ich als Seele mitgenommen? Geht es nicht viel mehr darum, als um die neu dazugekommenen Muster, Rollen und Programme?
Sie sind ein grosser Spiegel, um das Ursprüngliche zu erkennen. Schauen wir vielleicht am falschen Ort? Lenken unsere Anstrengungen uns ab vom eigentlichen?
In meinem Buch “Das Spiel des Vergessens” liegt die Erkenntnis darin: Wir waren immer schon vollkommen. Ich bin überzeugt, es muss einfacher gehen. Wenn wir von Grund auf vollkommen sind, dann können wir auch schnell und gut vieles weglassen. Uns einfach zurückbesinnen.
Wie weit müssen wir gehen, um umzukehren zu dem, was wir immer schon sind? Alle Nebenschauplätze auf die Seite legen in Leichtigkeit zu uns zurück.

