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Runde 3: Den Raum dazwischen halten

Hallo,

in der Runde 2 ging es um das Spüren. Falls du dir die Zeit genommen hast, den Ablauf auszuprobieren, kennst du inzwischen das Gefühl, wenn der Körper antwortet. Heute bleibe ich bei einer Stelle, die ich dort nur gestreift habe, bei der vierten Phase, der Integration.

Dort habe ich geschrieben, dass sich oft die grösste Leere zeigt. Ein Zwischenraum zwischen dem, was war, und dem, was noch nicht da ist. Das Alte hat losgelassen, eine Rolle, ein Weg, ein Bild von dir selbst, das Neue zeigt sich noch nicht. Im Buch nenne ich diesen Ort «Der Raum dazwischen», die Spannung darin beschreibe ich unter «Zwischen zwei Polen». Als ich es schrieb, stand ich selbst mittendrin, ohne klare Richtung, ohne fertige Antwort, nur mit dieser Offenheit.

Was mich seither beschäftigt, ist die Spannung darin. Der Verstand sucht sofort einen Halt, ein Ziel, einen nächsten Schritt, während der Körper längst im Jetzt angekommen ist. Vergangenheit ist Erinnerung, Zukunft ist Vorstellung, gelebt wird immer nur jetzt. Trotzdem zieht es an beiden Enden, das Bekannte will zurück, das Unbekannte will Antworten. Es fühlt sich an wie ein Spagat, bei dem jedes Bein in eine andere Richtung geht. Beide Pole zu halten ist ziemlich anstrengend. Vielleicht liegt die Mitte dieses Spagats im Jetzt. Vergangenheit wie Zukunft bestehen aus Erinnerungen, aus Gedanken, gespeichert im Verstand, gespeichert im Körper. Gespürt wird beides immer nur jetzt, im einzigen Moment, der wirklich da ist. Was davon in mir wirkt, meldet sich dann im Körper und darf dort gespürt werden.

Mir fällt auf, wie automatisch ich versuche, diese Spannung aufzulösen. Eine Entscheidung treffen, einen Plan machen, mich irgendwo festlegen, damit das Ziehen aufhört. Manchmal stimmt das. Manchmal kommt die Entscheidung aber zu früh, aus dem Wunsch heraus, die Anspannung nicht mehr zu spüren, statt aus echter Klarheit. Ich frage mich, ob dieser Zwischenraum überhaupt ein Problem ist, das gelöst werden will. Vielleicht ist er ein Ort, an dem Neues Platz bekommt, denn es kann erst erscheinen, wenn das Alte nicht mehr alles füllt.

Ich habe mich schon gefragt, ob genau diese Leere das eigentliche Ziel sein könnte. Bestimmt ist sie das, was Eckhart Tolle das Jetzt nennt, ein Ankommen in der Präsenz, im Sein. Dann wäre es weniger ein Ziel, das ich erreiche, als ein Ort, an den ich zurückkehre. ein Loslassen von Vergangenheit und Zukunft. Wenn ich in dieser Stille bleibe, ohne sie sofort zu füllen, können Antworten von selbst kommen, in einem Gespräch, das sich öffnet, in einem Impuls, der sich wiederholt, in einer Tür, die leichter aufgeht als andere. Das Leben zeigt eine Richtung selten im Voraus, meistens erst im Nachhinein. Darum versuche ich vermehrt auf das Momentum zu antworten, das sich zeigt, statt Antworten zu erzwingen. Es treibt nicht an, es entsteht, wenn ich aufhöre, ihm vorauszugreifen. Das heisst nicht planlos, es heisst, den Plan lockerer zu halten und mehr zuzulassen. Wo der Plan endet und das Zulassen beginnt, lässt sich wohl nur im Spüren klären.

Hier hilft der Körper. Der Verstand kann diese Spannung nur umkreisen, der Körper zeigt sie dir direkt, immer im Jetzt. Wenn dich das nächste Mal die Unruhe des Dazwischen erfasst, magst du hineinspüren. Wo genau ist das Ziehen, in der Brust, im Solarplexus, im Hals? Was geschieht, wenn du bei ihm bleibst, so wie es ist, ohne es wegzuschieben, ohne es zu lösen? Manchmal wird es weiter, manchmal ruhiger, manchmal bleibt es da, ohne dass etwas gelöst werden muss. Wird es zu viel, hilft der lange Atem, doppelt so lang aus- wie einatmen. Wird die Leere schwer, darf Unterstützung dazukommen, ein Gespräch, eine Begleitung, ein Mensch, der zuhört.


Meine Frage an dich:

Was zeigt sich, wenn du die Spannung hältst, statt sie sofort aufzulösen?


Livingroom Talk, Mittwoch 30. September:

Der zweite Abend findet wieder bei mir zu Hause statt, an der Alte Landstrasse 50 in Rüschlikon. Im Gespräch mit Nathalie Zeller geht es um Fragen zum Buch, um Hintergründe, um alles, was beim Lesen offen geblieben ist. Die Tür öffnet um 18 Uhr, um 19 Uhr beginnen wir, gegen 21 Uhr klingen wir aus. Der Kreis ist auf 15 Personen begrenzt, darum melde dich bitte kurz an, per Mail an contact@myronbingham.com oder per Nachricht an 079 446 58 38. Beim ersten Abend sind Fremde zusammengekommen, nach kurzer Zeit war es ein Abend unter Freunden. Genau das wünsche ich mir wieder.


Falls du neu hier bist:

Diese Runden erhalten alle, die das Buch gelesen, angelesen oder gerade erst bestellt haben. Dazu schreibe ich auch Texte für alle, ohne Buch, ohne Vorwissen. Alles, was du verpasst hast, findest du auf meinem Substack: www.beenjoycreate.substack.com


Bis zur nächsten Ausgabe.

Myron

Wenn du magst:

Instagram: @myronbingham – LinkedIn: Myron Bingham

www.myronbingham.com