Ich höre es in Gesprächen, ich sehe es bei Menschen um mich herum. Etwas, das scheinbar kollektiv wirkt. In der Arbeit, in Beziehungen, in Emotionen, in Finanzen. Projekte, die einfach nicht vorwärtsgehen, obwohl alles bereit wäre. Pläne, die sich auflösen, bevor sie beginnen. Körper, die plötzlich Symptome zeigen, für die es keine offensichtliche Erklärung gibt. Menschen, die innert kurzer Zeit von uns gehen. Beziehungen, die in Frage gestellt und losgelassen werden. Alte Themen, die man längst angeschaut zu haben glaubte, tauchen wieder auf. Diesmal in einer anderen Tiefe, als wollten sie noch einmal erkannt werden, gründlicher als beim ersten Mal.
Es fühlt sich an, als wäre da eine Energie, die uns kollektiv nach innen dreht. Als würde etwas Grösseres sagen: Jetzt nicht nach aussen. Jetzt hinschauen. Wir haben euch so viele Hinweise gegeben, doch ihr wolltet einfach nicht hinsehen. Nun ist unsere Geduld aufgebraucht, wir forcieren das Ganze ein wenig.
Das wirkt sich im Aktionsradius aus.
Seit einigen Monaten kommt es mir vor, als hätte jemand die Pausetaste gedrückt. Nicht nur bei mir. Vielleicht kennst du das gerade auch. Du wirst aktiv, du strengst dich an, du versuchst es noch einmal anders. Es geht trotzdem nicht weiter. Du kannst noch so pushen und ziehen, es bewegt sich nicht oder nur langsam. Wenn die Pausetaste gedrückt ist, hilft kein festeres Drücken auf die anderen Tasten. Das ist das Irritierende daran. Wir sind es gewohnt, dass Einsatz etwas bewirkt. Dass mehr Anstrengung mehr Bewegung bringt. Gerade scheint dieses Gesetz ausser Kraft.
Ich habe eine Weile gebraucht, um das als Hinweis zu lesen. Zu erkennen, was gezeigt wird, im Aussen wie im Innen. Der Körper spricht dabei am deutlichsten. Er reagiert, er zeigt Symptome. Ich verstehe das inzwischen mehr als Sprache. Etwas will gefühlt werden, etwas möchte erkannt werden, das bisher keinen Raum hatte. Etwas will gesehen werden, bevor es weitergeht.
Was also tun, wenn nichts zu tun ist?
Ich versuche momentan, weniger gegen die Pause zu arbeiten, mehr mit ihr. Innezuhalten. Nachzuspüren. Mich zu fragen: Wo ist denn noch Fluss? Denn das fällt mir auf, wenn ich genauer hinschaue: Die Pause ist selten total. Irgendwo läuft immer etwas, oft leise, oft klein. Ein Gespräch, das sich mühelos ergibt. Eine Aufgabe, die von selbst gelingt. Etwas, das das Herz erfreut. Ein Impuls, der Energie gibt statt kostet. Vielleicht zeigt genau das die Richtung, in die es gerade weitergehen darf. In kleinen Schritten, während das Grosse wartet. Dabei ist mir ein schöner Spruch begegnet: «Auch viele kleine Schritte ergeben einen grossen.»
Der Rest wäre dann Hingabe.
Ein Wort, das leicht missverstanden wird. Ich meine damit kein Aufgeben, kein Kapitulieren. Eher ein Annehmen dessen, was gerade ist, ohne es sofort ändern zu wollen. Nicht bewerten, nicht hinterfragen, einfach annehmen. Vielleicht gehört auch dazu, einzelne Dinge loszulassen, die nur noch aus Gewohnheit mitgetragen werden. Die Pause macht ja sichtbar, was ohne unser ständiges Schieben von allein stehen bleibt.
Ich weiss nicht, wie lange diese Phase dauert. Ich weiss auch nicht, ob sie für alle gilt oder nur für einige von uns, die gerade an einer ähnlichen Stelle stehen. Es ist eine Beobachtung, kein Befund.
Mich interessiert deine Erfahrung.
Ist bei dir gerade auch Pause? Wo hakt es, wo fliesst es noch? Was erzählen dir deine Pausetasten?
Herzliche Inspiration,
Myron

